Wie zuverlässig misst ein Smart Ring? Neue Studie untersucht Herz-Kreislauf-Daten am Finger
Smart Rings begleiten uns längst nicht mehr nur beim Zählen von Schritten oder beim Schlaftracking. Moderne Modelle erfassen rund um die Uhr verschiedene Gesundheits- und Aktivitätsdaten. Doch wie zuverlässig sind solche Messungen eigentlich?
Eine aktuelle wissenschaftliche Studie, veröffentlicht im Fachjournal npj Digital Medicine, hat genau diese Frage untersucht. Dafür wurden fast 100.000 gültige PPG-Messungen von 1.810 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausgewertet. Die Daten wurden gleichzeitig an beiden Händen mithilfe tragbarer Smart Rings aufgezeichnet.
Was ist PPG überhaupt?
PPG steht für Photoplethysmographie. Dabei erfassen optische Sensoren Veränderungen des Blutvolumens im Gewebe. Dieses Verfahren kommt heute in vielen Smartwatches und Smart Rings zum Einsatz und kann unter anderem zur Bestimmung der Herzfrequenz verwendet werden.
Die Besonderheit der aktuellen Untersuchung: Statt lediglich einen einzelnen Messpunkt zu betrachten, wurden die Signale beider Hände miteinander verglichen und kombiniert.
Zwei Hände können zuverlässigere Daten liefern
Die Ergebnisse zeigen, dass die Kombination der Messwerte beider Hände insbesondere bei der Herzfrequenzmessung Vorteile bringen kann.
Bei der gemeinsamen Auswertung beider Seiten lag die durchschnittliche absolute Abweichung der Herzfrequenz bei rund 3,21 Schlägen pro Minute. Besonders interessant: Waren sich die Messwerte beider Hände sehr ähnlich, sank der Fehler nochmals um 19,3 Prozent.
Damit könnte die Übereinstimmung zwischen rechter und linker Hand künftig auch dabei helfen einzuschätzen, wie verlässlich ein einzelner Messwert gerade ist.
Nicht jeder Gesundheitswert ist gleich gut messbar
Die Studie macht gleichzeitig deutlich, dass zwischen verschiedenen Messgrößen unterschieden werden muss.
Während die Ergebnisse für die Herzfrequenz besonders vielversprechend waren, erwies sich beispielsweise die Bestimmung des Blutdrucks über die untersuchten PPG-Signale weiterhin als deutlich schwieriger. Die Forschenden bewerten die Möglichkeiten zur Blutdruckbestimmung deshalb noch als begrenzt.
Smart Rings sollten daher nicht pauschal als medizinische Messgeräte betrachtet werden. Entscheidend ist immer, welcher Wert gemessen wird, welche Sensorik zum Einsatz kommt und wie die Daten ausgewertet werden.
Was bedeutet die Forschung für Smart Rings?
Die Untersuchung zeigt, wohin sich Wearables in Zukunft entwickeln könnten: Statt Gesundheitsdaten lediglich möglichst häufig zu erfassen, könnten Geräte zunehmend auch deren Messqualität und Zuverlässigkeit bewerten.
Gerade Smart Rings bieten hierfür interessante Voraussetzungen. Durch den engen Hautkontakt am Finger können optische Sensoren kontinuierlich Daten sammeln, ohne dass Nutzerinnen und Nutzer dafür aktiv eine Messung starten müssen.
Die Studie liefert dafür eine außergewöhnlich große Datengrundlage und zeigt gleichzeitig, dass die Kombination mehrerer Messsignale neue Möglichkeiten für die Gesundheitsüberwachung mit Wearables eröffnen kann. Die Untersuchung wurde am 21. Juli 2026 in npj Digital Medicine veröffentlicht.
RingConn als Teil der Forschungsarbeit
Für die Studie wurden Smart-Ring-Systeme von Shenzhen Ninenovo Technology Limited, dem Unternehmen hinter RingConn, eingesetzt. Das Unternehmen unterstützte die Forschungsarbeit technisch. Beteiligt waren außerdem Forschende der Shanghai Jiao Tong University sowie medizinisches Personal des Mianyang Central Hospital.
Für RingConn und andere Hersteller zeigt die Untersuchung vor allem eines: Die Zukunft von Wearables liegt nicht nur darin, immer mehr Daten zu erfassen, sondern diese Daten auch intelligenter einzuordnen.
Zur vollständigen Studie:
Large-scale bilateral cardiovascular monitoring via wearable rings, npj Digital Medicine, 2026. Studie bei Nature lesen
Hinweis: Smart Rings und andere Wearables ersetzen keine ärztliche Untersuchung oder medizinische Diagnose.